
Team Timo
Der zehnjährige Timo ist damit beschäftigt, mit seiner Lehrerin Fotos auszusuchen, als wir ihn in der Schule besuchen. Am Vorabend fand ein Kinderumzug statt. Timo ist noch immer aufgeregt und läuft begeistert durch die Gänge, um die Bilder vom Drucker zu holen. Tanja Schärli staunt: «Unglaublich, wie er sich entwickelt hat!» Als Beraterin für Heimventilation bei der Lungenliga Zentralschweiz hat Tanja die Familie lange betreut. Dass uns Timo heute so fröhlich durch seine Schule führt, grenzt an ein Wunder. Sein Leben hing oft an einem seidenen Faden. «Timo ist ein Kämpfer», sagt seine Mutter Petra Studer. Als uns die fröhliche Luzernerin danach Timos Geschichte erzählt, steht fest: Auch sie ist eine Kämpferin.
Hirnstammblutung im Mutterleib
Petras Schwangerschaft verlief vorerst problemlos. Erst im siebten Monat tauchten Hinweise dafür auf, dass etwas nicht stimmt. Schliesslich kam Timo ein paar Wochen vor dem Geburtstermin mit einem geplanten Kaiserschnitt zur Welt. «Er war ein schönes Baby», erzählt Petra. «Zuerst dachten wir, er sei gesund.» Doch Timos Zustand war fragil und er hatte eine schwache Lunge. Zudem konnte er nicht schlucken, sodass Flüssigkeiten in die Luftröhre gelangten, was lebensbedrohliche Folgen haben kann. Untersuchungen zeigten: Timo hatte bereits im Mutterleib eine Hirnstammblutung erlitten. Zehn von zwölf Hirnnerven waren beschädigt, die rechte Körperhälfte und die linke Gesichtshälfte gelähmt, was das Schlucken, Sprechen und Laufen fast unmöglich machte.
Atmen durch die Kanüle am Hals
Bald war klar, dass Timo nur überlebt, wenn seine Luftwege gesichert werden. Nach einem Luftröhrenschnitt wurde am Hals eine Trachealkanüle angebracht. Fortan atmete Timo durch die Kanüle, statt durch Mund und Nase. Nach sieben Monaten konnte Timo endlich nach Hause. Leider nur kurz – es folgten während über zwei Jahren Spitalaufenthalte, erzählt Petra: «Wir wussten oft nicht, ob er es schafft.» Zu Hause war es eine riesige Herausforderung, Timos Kanüle frei und sauber zu halten. Sie musste im Viertelstundentakt abgesaugt werden, auch nachts. «Das konnten wir knapp stemmen dank der Kinderspitex Zentralschweiz und der Familie – und Tanja», betont Petra.
